fête de la musique in Lengfurt

13. Juni 2015

Fête de la musique

Ein Musikfest an ungewöhnlichen Orten“ hatte man vom Partnerschaftsverein Triefenstein-Vassy angekündigt, und: man hat jedes Wort des Versprechens, vor allem das Wort „Fest“, eingelöst.

Über tausend Besucher erlebten über drei Stunden lang im historischen Altort Lengfurt hervorragende „Live“-Musik in einmaliger Atmosphäre an einem unvergesslichen Sommerabend.Musikalisch eröffnet wurde das Fest in der Pfarrkirche mit „4 Hände, 4 Füße und ein Tambourin“ (Judith Hock & Marcel Väth (Orgel) und Luka Willms) mit Werken von Tschaikowsky und Bédard, offiziell eröffneten Bürgermeister Norbert Endres und Jessica Thamm, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Triefenstein-Vassy, das Fest auf dem Marktplatz, wobei das Jugendblasorchester der Musikkapelle Lengfurt (MKL) spielte. Auch die Bläserklasse der MKL und die „Tonträger“ der MKL spielten dann später am Rathaus II, vor dem auch ein Info-Stand über die Partnerschaft der beiden Gemeinden sowie über das die „Fête“ unterstützende Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) aufgebaut war.

Insgesamt waren es 23 musikalische Gruppen oder Einzel-Interpreten, die an 13 verschiedenen Plätzen und Höfen im historischen Altort von Lengfurt ihre Musik mit Begeisterung und Freude vortrugen, eine „Fête“ ganz so, wie man sie in Frankreich alljährlich an vielen Orten feiert. Stets waren die Plätze und Höfe, von den gastgebenden Familien bestens eingerichtet und vorbereitet, von mehreren Dutzend Zuhörerinnen und Zuhörern umlagert, die sich mit ihrem wohlverdienten Beifall nicht zurückhielten.

Der Kinderchor Lengfurt trug Lieder vor zur Partnerschaft Triefenstein-Vassy und zu „70 Jahre Frieden in Deutschland“, und wer bei der solaren Zuwendung des hochwohlgesonnenen Wettergottes womöglich den mit gerade mal 200 Meter längsten Fussweg zu den „Brass Kids“ und ihrer Blasmusik oder den etwas kürzeren Weg zu Helmut Wirsching (Gitarre, Gesang) nicht gehen wollte, war dann auch am Marktplatz gut bedient: Jazz durch die „Maradixies“ (Marktheidenfeld) im Wechsel mit Benjamin Petrier-Leitus, einem Singer-Songwriter aus Paris, der seine selbstgeschriebenen Pop-Songs am Keyboard selbst begleitete und viel Beifall bekam.

Die musikalische Aufgeschlossenheit des Publikums, das auch längere Anfahrtswege (und Parken an bisher dergestalt nicht frequentierten Seitenstreifen) auf sich genommen hatte, hätte angesichts der Kombination aus feiner Musik und Atmosphäre an diesem Tag vermutlich auch Punk-Rock mit Jodel-Diplom zur Steel-Gitarre akzeptiert, lieferte sich –wohlgemerkt nur den Genuß betreffend- vor allem aber gänzlich Jazz und Folk aus : das Jazz-Trio „X-Track“ um Schlagzeuger Xaver Hauck, das locker „Miles, Monk und mehr“ interpretierte, das „Duo MarimbaSax“ (Christine Heim, Peter Sebold) u.a. mit Werken von Ravel und Tcherepnine, den „SaxoStrinx“ (4 Holzbläser, 5 Streicher, ein Perkussionist) und „Jazz’n Bossa“ mit klassischen Standards von den 40ern bis zu den 60ern, u.a. mit einer begeisternden Adaption von „Cantaloop“. Die beiden Gruppen um Christoph Arz hätten wohl bis Mitternacht weiterspielen dürfen. Folk gab es von “Les cinq cigales“ (die fünf Zikaden), Chansons und Gypsy-Melodien durch Musiker aus der Region Stuttgart.

Neben dem Marktplatz, wo dann auch im Rathaus II vor allem Kinder das Angebot „Französische Sprachanimation“ (Marie-Aude Pirot, DFJW-Botschafterin aus Frankreich) nutzten, entwickelten sich das Sängerheim des „Gesangvereins Liedertafel Lengfurt“ mit kulinarischem Vorplatz Schulgasse und das Weinhaus Zorn mit gegenüberliegendem Hof und Turm Anwesen Familie Seitz zu drei „Ankerplätzen“ für viele Besucher. Im Sängerheim konnte man neben fulminanten Tanz-Darbietungen der Streetdance-Gruppe des SV Frankonia Lengfurt (Leitung: Dorothea Hock) quicklebendige alpenländische Musik durch die Laien-Akkordeongruppe „Trennfelder Dorfquetsche“ und den gemischten Chor der „Liedertafel“ bewundern.

Im Hof des Weinhaus gab es neben französischen Leckereien (die sehr schmackhafte „Quiche Lorraine“ war sehr bald ausverkauft) auch das „Saxophon-Duo“, nachdem sich vorher die „Turmbläser“ von der Terrasse Weinhaus Zorn ein Fanfaren-Duell/Duett mit den Kollegen vom Kirchturm der Pfarrkirche geliefert hatten sowie denen auf dem Balkon des Anwesens Seitz. Dort sorgte das „Duo Streng“ (Sophie-Luise und ihr Vater Alexander Streng) mit „handgemachter Straßenmusik ohne technischen Firlefanz mit Gesang, Geige und Gitarre“ für viel Begeisterung.Wunderschön dann, bei bis zur Drängelgrenze von begeisterten Besuchern gefülltem Marktplatz, dann der Abschluss der Open-Air-Konzerte durch das Orchester der MKL, den Kinderchor Lengfurt und dem Publikum, als man gemeinsam „Bruder Jakob“ und vor allem „Freude schöner Götterfunken“ (Europa-Hymne) sang. Den getanzten Abschluss feierte man mit der Gruppe „Schleifstein“ in der Kellerbühne des Weinhauses Zorn, wo die Gruppe zu bretonischen Tänzen aufrief und und spielte, sowie Musik mit den DJs Gilbert Sipho Khoza und Johannes Ammon. Marktplatz und Vorgelände des Weinhauses waren dann noch lange Zeit willkommene Orte, das Fest in angeregten Gesprächen ausklingen zu lassen.

Triefenstein und vor allem das gastgebende Lengfurt, das selbst viele Besucher „mobilisiert“ hatte, haben sich aufs Beste präsentiert, und durch diese besondere Veranstaltung allen aufgeschlossenen Besuchern sowohl die Musik als auch unser Nachbarland Frankreich ein Stück nähergebracht und schmackhaft gemacht.

Raymond Roth