26. September 2015

Bezirks-Kultur-Tage in Marktheidenfeld und Markt Triefenstein

Viel Harmonie gleich am Anfang der „Bezirks-Kultur-Tage Marktheidenfeld und Markt Triefenstein“ verströmten die „Triefensteiner Töne“ in der Triefenstein-Halle Trennfeld. Dieser musikalische Querschnitt aus ganz Triefenstein glänzte durch Vielfalt und eine Fülle sehr gelungener Darbietungen.

Nach dem eröffnenden flotten „Gloryland“ durch die „Brass Kids“ (Jugendkapelle Gesangverein 1907 Trennfeld, Leitung: Kristina Rösch) richtete Triefensteins Bürgermeister Norbert Endres ein Grußwort an die knapp dreihundert Gäste und die Musikerinnen und Musiker, die in insgesamt dreizehn verschiedenen Formationen bzw. Gruppen ein knapp 160minütiges Programm boten, durch das Adolf Kaufmann vom Gesangverein 1907 Trennfeld e.V., der die Rahmenorganisation des Abends übernommen hatte, führte.

Jede der dreizehn Gruppen trug zwei Stücke vor, drei von ihnen spielten sogar drei. Kleinere Ensembles, Chöre und Instrumental-Combos wechselten sich ab. Da gab es die Unbekümmertheit des Kinder- und Jugendchors Lengfurt (Leitung: Judith Hock) etwa bei dem „Cup song“, in der die Kinder mit Plastik-Tassen den Rhythmus schlugen, die flotten Stücke des Jugendchors Trennfeld (Leitung: Volker Thoma), bei deren „Ich will keine Schokolade“ rhythmisches Händeklatschen im Publikum einsetzte, oder die Schola Trennfeld, die mit zwei religiösen Liedern, darunter das aus Südafrika stammende „Sihayamba“, reüssierte.


Mächtig die „großen“ Chöre wie der des MGV Homburg (Leitung: Heinz Zenglein), u.a. mit „Die Treue“ (C.Orff), und zwei Eigenkompositionen des Chorleiters, bei dessen „Bibite vinum“ Bassist Karl Plitzko die Möglichkeiten der Bass-Stimme bis zum ganz, ganz tiefen C auslotete. Der Gesangverein 1907 Trennfeld (Leitung: Willi Thoma) schuf u.a. mit dem textlich durchaus auch auf den Gemeindeteil Trennfeld zugeschnittenen „Unterfrankenlied“ heimatliche Gefühle, und der gemischte Chor der Liedertafel Lengfurt (Leitung: Jessica Thamm) rief mit den unwiderstehlich guten „Mr. Bassman“ und „The lion sleeps tonight“ einmal mehr den Saal zu heftigem Applaus auf.

Interessant auch die Duos: das „Duo Streng“ aus Rettersheim (Geige, Gitarre, Gesang) entführte u.a. in jazzigere Gefilde („Bei mir biste scheen“, „After you’ve gone“) und in die osteuropäisch-jüdische Welt ( „Hasidic Waltz“) , das Duo Bruder Bodo und Bruder Siegfried (Christusträger Triefenstein) (Gitarre, Flöte, Saxophon) spielte u.a. den Leonard-Cohen-Song „Halleluja“ sehr einfühlsam, und ließ südamerikanisches anklingen („El Pastor“).

Christoph und Stefanie Arz (Homburg) versammelten gar drei verschiedene Gruppierungen auf der Bühne: als „Reeds on stage“-Saxophon-Quartett zeigten sie u.a. mit einer gelungenen Instrumental-Fassung von „Bohemian rhapsody“ große Virtuosität , und in einem Mixed-Ensemble (neun Musiker), das in dieser Formation erstmals auf der Bühne stand, ebenfalls großartiges: einer Quadrille ließen sie „Oblivion“, des Argentiniers Astor Piazzolla folgen, mit Viola, Fagott, E-Kontrabass, Geigen, Cello und drei Saxophonen. Als „SaxoStrinx“ setzten sie auch den Schlusspunkt ebenfalls mit einem Piazzolla-Stück (das feine „Libertango“) und dem Toto-Klassiker „Hold the line“, in dem die „strinx“ die Melodie und „sax“ die Impro-Garnierung übernahmen und den sie, vom Publikum stürmisch gefordert, als Zugabe lieferten, verstärkt durch das „Duo Streng“.

„Das war gewaltig“ war der Kommentar des Moderators Adolf Kaufmann zum vorletzten Bühnen-Act des Abends , als die personell stärkste Gruppe und das musikalisch „wuchtigste“ Ensemble, nämlich das „Alte Eisen“ der Musikkapelle Lengfurt (Leiter: Andreas Emmert) die Bühne mit knapp 40 Musikern okkupierte. Dem aus drei Hits von Eric Clapton verschmolzenen „The cream of Clapton“ ließen sie „The house of the rising sun“ folgen, das in diesem Arrangement wie die Titel-Melodie zu einem klassischen, spannenden Western rüberkam, einmal mehr das Publikum zu begeistertem Applaus hinriss.

„Man kann den Vereinen in den Gemeindeteilen nur danken, die bei der Vorbereitung sehr hilfreich und unterstützend dabei waren“, sagte Adolf Kaufmann, der auch ausführte, dass dies alles „ohne die vielen sonst so häufigen Nicklichkeiten“ abgelaufen sei. Man mag vielleicht den Tanz (zwei Faschingsvereine, Sportvereine) vermisst haben oder die „gesprochenen“ Töne (Kultur !), was aber vielleicht den Rahmen etwas gesprengt hätte.) In jedem Fall aber: Es könnte ein großer Schritt gewesen sein, die vier Gemeindeteile einander ein kräftiges Stück einander näher zu bringen.

Die Verantwortlichen aus den vier Ortsteilen waren sich mit Bürgermeister Endres einig, dass ein solcher Abend, an dem übrigens bis zum Ende die „Triefensteiner Musikanten“ aufspielten, dringend einer Fortsetzung in den Folgejahren bedarf. Es gibt noch mindestens genau so viele weitere Gruppierungen in Triefenstein , die „musikalisch etwas zu sagen haben“, wie bei der „Fete de la musique“ in Lengfurt im Sommer teilweise schon zu sehen war.

Und wenn jemand zur Gemeinde Triefenstein sagt: „Hast du Töne?“ , dann kann hier sofort ein mindestens vierstimmiges „JA!“ erfolgen.

Raymond Roth